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MELT TRIO – STROY ( release 26.8.2016)

Peter Meyer – guitar | Bernhard Meyer – bass | Moritz Baumgärtner – drums

 

Nach den hoch gelobten Alben “Melt” (2011) und “Hymnolia” (2013) veröffentlicht das Melt Trio im August 2016 nun ihr drittes Album „Stroy“.

Die Brüder Peter und Bernhard Meyer an Gitarre und Bass sowie Drummer Moritz Baumgärtner erfanden einen Sound, der sich kühn und doch voller Demut nicht nur über alle gängigen Vorstellungen von Jazz-Improvisation, Alternative Rock, Neue Musik, Ambient und in Klang übersetzte Naturerfahrung hinwegsetzte, sondern selbst alle bekannten Synthesen, Avantgardismen und Überlappungen übertraf. Ein Sound, der sein Bukett Lichtjahre von jedem Crossover entfaltete. ( Wolf Kampmann)

“Es ist sicher nicht vermessen zu behaupten, dass derzeit keine deutsche Band so klingt wie das Melt Trio. Die Souveränität, mit der Meyer, Meyer und Baumgärtner zwischen klaren Konturen und sich öffnenden Formen, wunderbarem Melodie- und Klangreichtum, interessanten Harmonien und rhythmischen Finessen changieren, setzt einen Wegweiser in die europäische Musiklandschaft.“ (Norbert Krampf)

 

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CD HYMNOLIA (release 8.11.2013)

Ein Gitarrensound, der wie von einer fernen Umlaufbahn in die irdische Hemisphäre eintaucht, ein Schlagzeug, das den fremden Klang vorsichtig abtastet und schließlich ein Bass-Groove, dessen Gravitation beide auf den Boden hinab zieht. Willkommen auf „Hymnolia“, dem zweiten Album des Melt Trios.

Moment, ein zweites Album des Melt Trios? Gab es denn einen Vorgänger? Wer überhaupt ist dieses Melt Trio? Erlauben wir uns einen kurzen Besuch im Time Tunnel. Zwei Jahre ist es her, da verblüffte das Berliner Trio Meyer-Baumgärtner-Meyer gleichermaßen Laien wie Fachwelt. Die Brüder Peter und Bernhard Meyer an Gitarren und Bass sowie Drummer Moritz Baumgärtner erfanden einen Sound, der sich kühn und doch voller Demut nicht nur über alle gängigen Vorstellungen von Jazz-Improvisation, Alternative Rock, Ambient und in Klang übersetzte Naturerfahrung hinwegsetzte, sondern selbst alle bekannten Synthesen, Avantgardismen und Überlappungen übertraf. Ein Sound, der sein Bukett Lichtjahre von jedem Crossover entfaltete. Im freien Flug begaben sich die drei Berliner aus den bekannten Galaxien in einen neuen Klangquadranten, der ohne jeden Exhibitionismus auskam. Das im Jazz so grenzenlos überbewertete Solo sucht man hier vergebens. Bei Meyer-Baumgärtner-Meyer ging es um Dichtegrade, Aggregatzustände und Stimmungen. Gerade die gruppendienliche Zurückhaltung der drei individuellen Könner machte den besonderen Charme des Trios aus. Und wie hieß dessen erstes Album? „Melt“

Im Vergleich zur in jeder Hinsicht eleganten und dynamischen Musik des Trios klang sein Logo Meyer-Baumgärtner-Meyer zugegeben ein wenig sperrig. Doch wer in der Musik Bewegung auslöst, vermag selbiges auch im Kopf. Und da der Albumtitel „Melt“ die Programmatik des Trios kongenial beschreibt, wurde aus Meyer-Baumgärtner-Meyer kurzerhand das Melt Trio.

„Hymnolia“ setzt exakt dort an, wo „Melt“ aufhörte, und holt doch zugleich viel weiter aus. Vieles, was auf „Melt“ zutraf, lässt sich guten Gewissens auch von „Hymnolia“ behaupten. Da ist immer noch diese symbiotische Ausdrucksdichte, in der komponierte, improvisierte und aus dem reinen Klang frei assoziierte Teile organisch ineinander fließen. Die drei Musiker handeln ihre Anteile und Positionen in jedem Stück neu aus, finden immer wieder überraschende Annäherungen aneinander, generieren gemeinsame Klangflächen, gehen aber auch in Überlappungen und Interferenzen auf. Das Gemeinsame kann in der absoluten Verschmelzung liegen, aber auch in der Summe des dreifach Individuellen.

Gerade im Hinblick auf diese überaus flexible Gruppendynamik macht der neue Bandname umso mehr Sinn, denn aufgrund der mittlerweile vielfältigen gemeinsamen Erfahrungen löst sich die anfängliche, auf „Melt“ noch spürbare Polarität zwischen den Meyer-Brüdern und Baumgärtner auf. Die drei Protagonisten haben ihre gemeinsame Ausgangsbasis hörbar verstärkt. Im Vordergrund des gemeinsamen Spiels stehen nach wie vor Stimmungen, aus denen heraus songhafte Motive oder freie Improvisationen erwachsen. Die Quellen für die einzelnen Sounds sind nicht in jedem Fall ganz klar auseinanderzuhalten. Was wie ein Synthesizer oder ein schrill modifizierter Gitarrensound anmuten kann, mag vielleicht auch von einem Becken kommen. Der Ideenfundus der drei Musiker durchdringt sich auf beeindruckende Weise. Aber das Postulat der Band heißt ja nicht umsonst „Melt“.

Allerdings zeigt die Band auf Hymnolia auch deutlich mehr Mut zur Kontur. Ohne dass es je zu individuellen Alleingängen kommen würde, arbeitet sich streckenweise die eine oder andere Stimme stärker aus dem Bandkontext heraus. Konkrete Melodien, die sich wie zufällig aus dem kollektiven Schweben zu kristallisieren scheinen, manifestieren sich und setzen sich im Ohr fest. Diese Melodien sind von einer derart bezwingenden Schönheit, dass sie wieder und wieder gehört werden wollen. Und sie sind so eingängig, dass man auf Anhieb meint, sie bereits seit vielen Jahren zu kennen, gerade so als wäre jeder Sonnenaufgang genau um diese Melodien herum entstanden. Aus dieser Lust an Melodik und der daraus abgeleiteten Phrasierung und Modifizierung leitet sich auch automatisch eine etwas größere Nähe zum Jazz ab, die sich jedoch wie ein ganz konventionsfreier Kommentar zu den Möglichkeiten der Jazz-Improvisation ausmacht.

Allein diese klangpoetischen Zusammenhänge würden ausreichen, um den Albumtitel zu erklären. Hymnolia: eine Gloriole hymnischen Flimmerns, eine durchlässige Wolke aus Klanglicht. Ja, es mag ein wenig kitschig klingen, aber die Musik des Melt Trios fängt tatsächlich das menschliche Urverlangen nach Harmonie und Vollkommenheit auf. Diese Stücke entrollen einzigartige psychoakustische Landschaften, gleich surrealistische Labyrinthen, in denen man sich zu verlieren sehnt, aus denen man aber nie wieder herausfinden will. Einmal mehr kann man sich als Hörer leicht in das nahezu hypnotische Staunen hineinversetzen, das die drei Musiker bei der Schöpfung dieser Musik überkommen haben mag.

Trotz alledem hat es mit dem Titel eine ganz andere Bewandtnis. Ursprünglich war es der Band darum gegangen, einen jazz-untypischen Titel zu finden der wie eine Mischung aus Hymne, Magnolie und fernem Planeten klingt. Doch als wäre das unvoreingenommene Überraschungsmoment das Grundthema des Melt Trios schlechthin, staunten die drei Musiker nicht schlecht, als sie in einem Dokument von 1899 einen Hinweis fanden, dass es tatsächlich ein Instrument selbigen Namens gibt. Die Hymnolia ist eine tragbare Pfeifenorgel, die um 1900 offenbar gar nicht so selten in Gebrauch war. „Dieses Instrument hätte in unserer Band auf jeden Fall in dem einen oder anderen Stück Platz“, frohlockt Bernhard Meyer. Und ohne zu esoterisch werden zu wollen, hat sich ja vielleicht die eine oder andere spirituelle Schwingung der Hymnolia aus dem Universum in diese Musik zurück geschlichen.

So oder so, das Melt Trio ist und bleibt ein Gitarrentrio, das ohne jeden Vergleich auskommt. Melt ist weder Nirvana auf Jazz noch Bill Frisell Trio in Rock und auch nicht Massacre in Ambient. Melt ist Melt, einzigartig, individuell, packend und ergreifend, die Schwingen ausbreitend wie ein Albatros und aus weiter Ferne so nah zu uns herüber rufend.

 


CD MELT

Wie oft passiert es, dass Musik so neu klingt, als hätten wir etwas vergleichbares noch nie gehört? Dass sie uns anregend verunsichert und mit mehr Fragen als Antworten zurücklässt? Die Welt von Jazz und Rock hat uns in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit unzähligen Gitarrentrios von Nirvana bis zum neuen Bill Frisell Trio beschenkt. Meyer – Baumgärtner – Meyer setzen jedoch mit ihrem ersten gemeinsamen Album „Melt“ nicht dort an, wo andere Gitarrentrios aufhören, sondern sie beginnen bei Null, gerade so als wären sie die erste Gitarre-Bass-Drums-Band überhaupt. M-B-M sind nicht die neuen dies oder die nächsten das, sondern entfalten ihre ureigenen urbanen Klangwelten. Jedes Namedropping würde hier ins Leere laufen.

Gitarrist Peter Meyer, Bassist Bernhard Meyer und Drummer Moritz Baumgärtner sind keine Unbekannten auf dem Berliner Jazzpflaster. Die stets als Einheit auftretenden Meyer-Brüder haben unter anderem im Lea W. Frey Trio und bei der Band MSV Brecht gespielt. Baumgärtner hingegen gehört zu den umtriebigsten Figuren in der Berliner Komprov-Szene um Johannes Lauer, Marc Muellbauer und Daniel Glatzel. Die Meyers haben bereits zahlreiche Erfahrungen in Gitarrentrios gesammelt, für Baumgärtner ist diese Erfahrung indes völlig neu. Die gemeinsame Troika ist jedoch für alle drei Beteiligten ein Aufbruch ins Unbekannte.

Was macht dieses Trio nun so besonders? Was haben M–B–M, das andere Gitarrentrios nicht haben? Was macht sie über jeden Vergleich erhaben? Die Meyer-Brüder haben über die Jahre ihres gemeinsamen Spiels eine symbiotische Ausdrucksdichte erlangt, die es fast unmöglich macht, komponierte und improvisierte Aggregatzustände, ja selbst die einzelnen Klangquellen beim Hören zu separieren. Für Baumgärtner ist es fast unmöglich, da einfach so mitzuhalten. Er will nicht vorgeben, der dritte Bruder zu sein, sondern setzt andere Akzente, indem er der Musik vorauseilt oder sich zurückfallen lässt, Interferenzen und Überlappungen findet, sich dem Duo im Trio annähert und wieder von ihm entfernt. Die Winkel und Seiten ihres gemeinsamen Dreiecks werden in jedem Stück unablässig neu justiert. „Nur der geringste Teil dieser Soundwelten kommt aus dem Jazz“, erklärt Moritz Baumgärtner. „Wir beziehen Indierock und elektronische Musik mit einem ausgeprägten Klangweltbewusstsein auf Improvisation.“

Baumgärtner und die beiden Meyers musizieren in dieser Form noch nicht lange miteinander. Aus gegenseitigem Interesse wurden zunächst einige Auftritte, bei denen man freies Spiel und ausgeprägtes Interesse an der Form jenseits ausgetretener Jazzpfade miteinander kombinierte. Bei einem dieser Gigs wurden die beiden Tontechniker Christian Farcher und Victor Meding auf das bis dahin noch lose Trio aufmerksam. Die Begeisterung war auf Anhieb so groß, dass sie die Drei zu einer Plattenaufnahme nach Stockholm einluden. Plötzlich musste die Band ihre bisherigen Erfahrungen von Improvisation und Komposition für die ganze Welt hörbar manifestieren. Neben dem vertrauten Material entstanden neue Stücke, in denen die Dynamik der Improvisation meist von klaren Stimmungen vorgegeben wurde. Improvisation ist hier niemals Selbstzweck. Sie ist vielmehr eine logische Vorwegnahme oder Weiterführung der Komposition, um von einer Ausgangssituation zu einem klar definierten Punkt zu gelangen. Die Konsequenz, mit der die Band dieses Prinzip durchhält, läuft auf eine komponierte Unschärfe in der Improvisation hinaus.

Auf diesem Weg arbeitet das Trio mit unterschiedlichen Dichtegraden. Manches erinnert an suprematistische Gemälde à la Malewitsch und El Lissitzky, bei denen die Maler scheinbar klare geometrische Formen unmerklich aufeinander zu oder voneinander weg laufen ließen und damit Unruhe oder Entspannung auslösten. Auf ähnliche Weise verdichten die drei Musiker eigenständige individuelle Statements zu einer gemeinsamen Geschichte. „Ich kenne die Brüder schon lange und war immer von ihrer gemeinsamen Soundwolke fasziniert“, beschreibt Baumgärtner diesen Vorgang. „Sie sind aber beide elektrisch verstärkt und arbeiten mit Hall und Loops. Für einen Schlagzeuger ist es akustisch nicht einfach, in diese Welt hineinzufinden. Diese kreative Herausforderung lässt mich Sachen spielen, die ich in anderen Besetzungen nicht höre. Ich denke an veränderliche Formen, wie zum Beispiel bei einem Kaleidoskop. Dinge, die zueinander passen, aber in ständiger Bewegung sind.“

Die instrumentalen Funktionen sind zwischen den drei Bandmitgliedern exakt aufgeteilt, und doch offenbart sich die Band beim Hören nicht so sehr als Kombination von Gitarre, Bass und Schlagzeug, sondern als Einheit aus drei subjektiven Stimmen, die sich gleichberechtigt austauschen. Gerade Baumgärtners Spiel ist unglaublich melodisch. Womöglich ist er der beste trommelnde Gitarrist Europas. „Ich bediene gern Grooves“, gibt er zu, „habe aber auch eine melodische Stimme, der ich Ausdruck verleihen muss. Ich spiele leider kein Melodieinstrument, kann aber mit dem Schlagzeug auch Bewegungen beschreiben. Dafür entfernen sich die Meyers in einigen Stücken von den Melodien oder wandeln Melodien in Sounds um. Diese Haltung ist ein Verbindungsglied zwischen uns. Melodien sind Leitungen für Improvisationen, die auch mal ohne Töne klingen können.“

M–B–M machen es ihrem Hörer nicht unbedingt leicht. Sie nehmen ihn in einen urbanen Dschungel mit, in dem er sich das Hörerlebnis bewusst erkämpfen muss. „Melt“ taugt nicht zur Klangtapete. Diese Musik will so intensiv und oft wie möglich gehört werden. Die Tiefenwirkung ist verblüffend. In Mikrostrukturen offenbaren sich unzählige Details, die man vielleicht erst beim zehnten Durchgang hört. Dafür wächst die CD kontinuierlich. Das dreifache Staunen der Band über ihre eigene Klangschöpfung überträgt sich unschwer auf den Hörer. Die drei Musiker halten den Kontext bewusst so offen, dass jede Frage eine neue Frage evoziert, man sich der Antwort aber bestenfalls annähern kann.

„ Melt“ ist ein überzeugender Gegenentwurf zur iTunes-Philosophie, laut derer sich jede musikalische Botschaft in den ersten 30 Sekunden offenbaren muss. Hier ist stets das gesamte Stück die Message und die neun Botschaften der CD ergeben zusammen die Geschichte. „Melt“ ist eines der wenigen musikalischen Abenteuer, die jetzt, genau in diesem Augenblick beginnen und sich unbeirrbar in eine einzige Richtung bewegen: in die Zukunft.

Wolf Kampmann

 


BIOs

Seit jeher arbeiten die beiden Brüder Peter und  Bernhard Meyer  musikalisch sehr intensiv  zusammen.  Neben dem “Melt Trio” spielen sie zudem im “Lea W. Frey Trio” (Alben: We can´t rewind, 2011, How soon is now?, 2013), bei “MSV Brecht” ( Urwaldallee, 2009, Hippie Tunes, 2012) und in der Indie-Rock Band des australischen Songwriters Dan Freeman (I Lie a lot, 2011) .

Bernhard hat zudem ein Masterstudium für Komposition bei John Hollenbeck am Jazz Institut Berlin absolviert und arbeitet auch in Projekten mit Eric Schäfer, Claudio Puntin und Kurt Rosenwinkel.  Peter studierte Gitarre bei Kurt Rosenwinkel, ebenfalls am Jazz Institut Berlin.

Moritz Baumgärtner erhielt Unterricht bei Clarence Penn, Jeff Hamilton, Joey Baron, Jim Black, Jeff Ballard und Jochen Rückert und arbeitete mit  international  bekannten  Musikern wie Ack van Rooyen, Sigi Busch, Johannes Enders und Adrian Mears zusammen. 2006 begann Moritz mit dem Studium am Jazz Institut Berlin bei Prof. John Hollenbeck. Er ist fester Bestandteil der Berliner Jazzszene und arbeitet in Projekten mit u.v.a. Christian Weidner, Johannes Lauer, Oliver Potratz, John Gürtler, Marc Muellbauer, Andreas Lang und Daniel Glatzel zusammen. Neben seiner Haupttätigkeit als Jazzmusiker und Improvisateur ist Moritz Baumgärtner auch in der Indie-Rock Band JERSEY neben Max Punktezahl von The Notwist, Flow Zimmer (Lali Puna) zu hören. Seit Juni 2010 ist er Schlagzeuger der Berliner „Elektro-Punk-Rock-Perfomance“ – Band BONAPARTE.